Kein Interesse, selbst Verantwortung für den Klimaschutz zu übernehmen! BÜNDNIS 90 / DIE GRÜNEN

Kein Interesse, selbst Verantwortung für den Klimaschutz zu übernehmen! BÜNDNIS 90 / DIE GRÜNEN

5. Dezember 2019 0 Von khj

Kein Interesse, selbst Verantwortung für den Klimaschutz zu übernehmen!

An den Bundesvorstand
BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
Platz vor dem Neuen Tor 1
10115 Berlin

05.12.2019

3. offener Brief unserer Reihe „Jetzt Verantwortung übernehmen“

 Hier: Vorbildfunktion von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Sehr geehrte Damen und Herren des Bundesvorstands,

wir möchten Ihnen zu Ihrem gegenwärtigen personellen und programmatischen Höhenflug in der Beliebtheit bei den Wählern und in den Medien gratulieren. Soweit läuft alles anscheinend optimal!

Allerdings gibt es da bei genauer Betrachtung ein paar dunkle Flecken. Die Spendenannahme von Wirtschaftsverbänden, und die sich abzeichnende Öffnung zur (Agro)Gentechnik durch CRISPR sind aus meiner Sicht und aus Sicht vieler Ökologen Grund genug, um mit den „Grünen“ hart ins Gericht zu gehen. Aber genug der Kritik, sie soll nicht Inhalt dieses Schreiben sein.

Vielmehr gibt es in unseren Augen Handlungsbedarf, der die Authentizität der Partei noch stärken könnte, zumal jetzt, da alle Augen auf sie gerichtet sind.

Denn Parteipolitik ist verbunden mit zahlreichen Sitzungen, Versammlungen, Konferenzen und Kundgebungen. Hierfür fahren viele Menschen über große Entfernungen sternförmig zum Veranstaltungsort, tagen in geheizten Hallen und nutzen Beleuchtung, Medientechnik, EDV und Kommunikationsserver. Alle diese Veranstaltungen verbrauchen Energie, erzeugen tonnenweise CO2 und belasten den Planeten wie jede andere Veranstaltung auch.

Es sei denn, Parteiveranstaltungen würden klima- bzw. CO2-neutral durchgeführt. Das heißt, ein Äquivalent an CO2-Zertifikaten würde die negativen Folgen kompensieren. Für jede beliebige Veranstaltung kann eine Emissionsbilanz erstellt und ein entsprechender Emissionsausgleich geschaffen werden.

Richtig, konsequente CO2-Kompensation kostet Geld. Aber wer sagt, dass Klimaschutz kostenlos ist?

Ein gutes Beispiel: Der ÖDP-Bundesverband hat bereits 2013 alle seine Veranstaltungen neutral mit einer umfassenden Kompensation durchgeführt und dies auch intern und extern kommuniziert. Zusätzlich kamen nur biologische, vegetarische und regionale Lebensmittel und Getränke auf den Tisch. Produkte von Konzernen, die bekanntermaßen Menschenrechte verletzen und das Klima schädigen, wurden offiziell verbannt. (Coca Cola, Nestlé, Ferrero usw.)

Wenn dies für eine Kleinpartei ohne finanzielle Mittel möglich war, dann muss dies erst Recht für eine mit üppiger Finanzierung ausgestattete Partei wie die „Grünen“ möglich sein.

Wir Klima-Aktivisten suchen tagtäglich nach allen erdenklichen Möglichkeiten, Unternehmen, Organisationen und jeden einzelnen Menschen von der Notwendigkeit des Klimaschutzes in allen Lebenslagen zu überzeugen. Auch politische Parteien können wir dabei nicht ausnehmen, denn es gibt in der Tat Handlungsbedarf. Auch die notwendige politische und demokratische Teilhabe darf nicht vom täglichen aktiven Klimaschutz ausgeklammert werden.

Unsere Ideen für BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN lassen sich in fünf Punkten zu einem durchaus realisierbaren Vorschlag zusammenfassen:

  • Wie wäre es, wenn alle Parteigremien eine CO2-Bilanz für ihre politischen Aktivitäten und insbesondere für Parteitage und Delegiertenkonferenzen erstellen würden?
  • Wie wäre es, wenn die Parteigremien in aller Öffentlichkeit, vor allen Veranstaltungen und in allen Medien bekanntgeben würden, dass diese mit einer entsprechenden Kompensation CO2-neutral durchgeführt werden?
  • Wie wäre es, wenn die Partei BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN für ihr gesamtes Geschäftsfeld Klimaneutralität bis 202x anstreben und bekanntgeben würde?
  • Wie wäre es, wenn sich die Partei BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN im Bundestag, im Bundesrat, und in den Länderparlamenten mit Hilfe von parlamentarischen Anträgen dafür stark machen würde, dass alle anderen Parteien ihrem Beispiel folgen?
  • Wie wäre es, wenn sich die Partei BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN als erste Partei wegen ihrer vorbildhaften Klimaneutralität an die Spitze einer nachhaltigen Politiklandschaft stellen würde und daraus ein Premium-Markenzeichen generieren würde, das Nachahmung provoziert?

Die Partei BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN hat ein gewaltiges Potential, entscheidende und vorbildhafte Maßnahmen zu treffen, die deutschland-, europa- und sogar weltweit Beachtung und Skalierung auslösen könnte.

Und dann gäbe es da noch eine nächste Stufe:

Wie wäre es, wenn die Partei BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN zusätzlich zu einer fiskalischen Bilanz – und ebenfalls als Markenzeichen – eine Gemeinwohl-Bilanz (www.ecogood.org) erstellen würde? Aus der würde ersichtlich, dass Parteipolitik in der Demokratie nicht nur dem Machstreben, sondern gleichzeitig auch durch belegte Nachhaltigkeit dem Gemeinwohl in ganz besonderer Weise dient? Auch hier wäre die Vorbildfunktion von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN wegweisend.

Spätestens seit Greta Thunberg muss von einer Klimaschutzbewegung gesprochen werden. Wir denken, dass es jedem Einzelnen, jedem Unternehmen und jeder Organisation gut anstehen würde, sich dieser Bewegung mit Leidenschaft anzuschließen und ab sofort alle Hebel in Bewegung zu setzen, um dem Klimaschutz im Kleinen wie auch im Großen beizustehen.

Sie, liebe Vorstandsmitglieder, gehören in diesem Sinne mit der Partei BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN zu den ganz Großen. Ihr Einfluss auf die einzelnen Menschen und die Gesellschaft im Ganzen ist beachtlich. Die Partei BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN ist mit ihrer Rolle in der Gesellschaft ein außerordentlich wichtiger Multiplikator.

Im Fall der Partei BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN könnten wir uns eine Vorbild- und Vorreiterrolle für den praktischen Klimaschutz sehr gut vorstellen. Nicht nur durch Parteiprogramm und Worte, sondern mit konkreten Taten und Maßnahmen.

Ich würde mich sehr freuen, wenn Sie mir Ihre Meinung dazu mitteilen würden. Noch mehr würde ich mich freuen, wenn mein Schreiben Früchte tragen würde.

Mit freundlichen Grüßen